Alle Rollen in der Haftungskette
Import aus Drittländern

Importeur-Haftung: Wer aus Drittländern importiert, steht in der ersten Reihe

Die neue Produkthaftungsrichtlinie ist ausdrücklich so gebaut, dass Geschädigte immer einen Haftenden in der EU finden. Sitzt der Hersteller in China, den USA oder im Vereinigten Königreich, sind Sie als Importeur der erste Ansprechpartner — mit der vollen Herstellerhaftung.

Betroffenheit prüfen

Warum diese Rolle betroffen ist

Die Haftungskette der Richtlinie funktioniert wie eine Kaskade: Ist der Hersteller nicht in der EU ansässig, haftet der Importeur des Produkts — ersatzweise der Bevollmächtigte des Herstellers. Erst danach kommen Fulfilment-Dienstleister und Händler ins Spiel.

Verschärfend wirken die neuen Beweisregeln: Im Streitfall kann das Gericht die Offenlegung technischer Unterlagen anordnen. Diese Unterlagen liegen aber beim Drittland-Hersteller — kann der Importeur sie nicht beschaffen, droht die Vermutung der Fehlerhaftigkeit.

Typische Konstellationen

  • Handelsunternehmen mit direktem Einkauf bei Drittland-Herstellern
  • Amazon- und Onlineshop-Seller, die Ware aus China importieren
  • Maschinen- und Komponentenimporte aus Nicht-EU-Ländern
  • Importe aus dem Vereinigten Königreich — seit dem Brexit Drittland

Diese Handlungsfelder sollten Sie prüfen

  • Lieferantenportfolio kartieren: Für welche Produkte gibt es keinen EU-Hersteller und keinen Bevollmächtigten?
  • Zugriff auf Test-, Konformitäts- und Konstruktionsunterlagen des Herstellers vertraglich sichern
  • Freistellungs- und Qualitätsklauseln vereinbaren — und deren Durchsetzbarkeit im Drittland realistisch bewerten
  • Produkthaftpflicht-Deckung auf die Importeurs-Rolle und die neuen Haftungsregeln prüfen
  • Wareneingangs- und Chargendokumentation auf lückenlose Rückverfolgbarkeit ausrichten

Worauf es in dieser Rolle besonders ankommt

Der Regress ist die Achillesferse: Auf dem Papier können Sie den Drittland-Hersteller in Rückgriff nehmen — in der Praxis scheitert das häufig an Durchsetzbarkeit und Insolvenzrisiko. Die Haftung bleibt dann wirtschaftlich bei Ihnen. Deshalb gehören Versicherungsdeckung und Lieferantenauswahl bei Importeuren an die erste Stelle der Vorbereitung, nicht an die letzte.

Häufige Fragen

Wann hafte ich als Importeur wie der Hersteller?
Immer dann, wenn der tatsächliche Hersteller des Produkts außerhalb der EU ansässig ist und Sie das Produkt in die EU einführen und dort in Verkehr bringen. Die Haftung ist verschuldensunabhängig.
Was ändert sich gegenüber der bisherigen Rechtslage?
Die Importeurshaftung selbst gab es schon — neu sind der erweiterte Produktbegriff (Software), der Wegfall von Selbstbeteiligung und Haftungshöchstgrenze, die Offenlegungspflichten und Beweislasterleichterungen sowie die längeren Haftungszeiträume. Das Risiko pro Import steigt damit deutlich.
Hilft ein Bevollmächtigter des Herstellers in der EU?
Ein vom Hersteller benannter Bevollmächtigter steht in der Haftungskette neben bzw. vor dem Importeur und kann die Lage entschärfen. Ob und wie, hängt von der konkreten Konstellation ab — das gehört in die individuelle Prüfung.